Promotionsvorhaben - Detailansicht

Benjamin Best

Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie

Titel

Urbane Energiewende und öffentliche Teilhabe im Ruhrgebiet

Ziele der Arbeit

InnovationCity Ruhr – Modellstadt Bottrop und das radikale Ziel, die CO2-Emissionen um 50% zu reduzieren, das sind nicht nur technische Vorhaben. Eine lokale Energiewende meint vor allem soziale und kulturelle Veränderungen. Ich untersuche anhand des Modellgebiets die Beteiligungsmöglichkeiten der Bürger an der lokalen Energiewende, evaluiere Beteiligungsveranstaltungen und erarbeite gemeinsam mit Praxispartnern mögliche Wege für eine gesellschaftlich getragene Umsetzung der Energiewende.

Kurzbeschreibung

Aus der Literatur ist bekannt, dass eine absolute CO2-Minderungen nicht allein durch technische Mittel erreicht werden kann. Wenn technische Maßnahmen nicht von gesellschaftlichen Veränderungen begleitet werden, scheitern sie an Wachstums- und Verlagerungs- sowie Rebound-Effekten (vgl. von Weizsäcker et al. 1996: Faktor vier: Doppelter Wohlstand - halbierter Verbrauch; Linz und Luhmann 2006: Wie der Fortschritt bei der Energieeffizienz regelmäßig „abprallt“; Paech 2005: Nachhaltiges Wirtschaften jenseits von Innovationsorientierung und Wachstum). Daher wurde das Konzept einer „Großen Transformation“, also eines ganzheitlichen Wandels des fossilen ökonomischen Systems in Richtung klimaverträglicher Nachhaltigkeit und höherer Lebensqualität, in die Diskussion gebracht (vgl. WBGU 2011: Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation). Die InnovationCity Ruhr – Modellstadt Bottrop ist im Kern ein technisches Umbauprojekt, dessen Gelingen jedoch gesellschaftliche Voraussetzungen und Folgen hat. Der lokale Transformationsprozess wird in meiner Arbeit als ein „Realexperiment“ (vgl. Groß et al. 2005: Realexperimente. Ökologische Gestaltungsprozesse in der Wissensgesellschaft) verstanden. Anders als beim planvollen Implementieren ist dabei von den Beteiligten keine bloße Legitimation und passive Akzeptanz gefragt, sondern aktive Partizipation und Kontroverse. Grundlegend dafür sind demokratische Suchprozesse und Aushandlungsverfahren, also kollektive Wissens- und Meinungsbildungsprozesse (vgl. Latour 2001: Das Parlament der Dinge; Lorenz 2014: Mehr oder weniger? Zur Soziologie ökologischer Wachstumskritik und Nachhaltiger Entwicklung). Vor diesem Hintergrund evaluiere ich im ersten Schritt wichtige Beteiligungsveranstaltungen im Rahmen von InnovationCity Ruhr – Modellstadt Bottrop. Im zweiten Schritt erarbeite mit der transdisziplinären Methode „Konstellationsanalyse“ realistische  Interventions- und Steuerungsoptionen für eine gesellschaftlich getragene Umsetzung der Energiewende.

Forschungsfragen

Welche kulturellen, sozialen, historischen und wirtschaftlichen Faktoren behindern (und ermöglichen) breite gesellschaftliche Beteiligung in Bottrop? Welche kurz- und mittelfristigen Wirkungen hat Beteiligung? Was kann aktive Beteiligung ermöglichen? (Wie) finden Visionen des guten Lebens Eingang in die urbane Energiewende? Entwickelt sich eine Form der lokalen Resilienz, die einen Umgang mit Klimawandel, Ressourcenverknappung sowie gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Transformationsprozessen ermöglicht? Welche Interventionsmöglichkeiten gibt es für Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft für eine breite Beteiligung an der urbanen Energiewende?

Methodik

Ethnographische Methoden (Interviews, teilnehmende Beobachtungen), Konstellationsanalysen

Zur Person

Benjamin Best, M. A. Sustainability Econcomics and Management

Research Fellow
Research Group 1 "Future Energy and Mobility Structures"

Wuppertal Institute for Climate, Environment and Energy
Döppersberg 19, D-42103 Wuppertal, Germany
Phone: +49 (0) 202 / 2492-308

Betreuer

Univ.-Prof. Dr. Hans J. Lietzmann, Jean-Monnet Professor for European Studies. Bergische Universität Wuppertal, Politische Theorie und European Politics