Klimaschutzplan: InnovationCity-Ansatz trägt maßgeblich zur Zielerreichung bei

• Ganzheitliche Betrachtung von Quartieren als Ansatz zur CO2-Einsparung • Modellstadt Bottrop zeigt Wege zum Klimaschutz bei Energieerzeugung, Gebäuden und Industrie auf • Übertragung der Erkenntnisse auf andere Revierquartiere durch „InnovationCity roll out“

Bottrop, 14. November 2016 – Die aktuell laufende Weltklimakonferenz in Marrakesch (Marokko) soll den Weg ebnen, um die Erderwärmung, wie in Paris beschlossen, auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. In diesem Kontext stellt Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks auch den kürzlich beschlossenen „Klimaschutzplan 2050“ der Bundesregierung vor, zu dessen Zielen der InnovationCity-Ansatz einen maßgeblichen Beitrag leisten kann.

Global denken, lokal handeln: Ziel des deutschen Klimaschutzplans ist es, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2050 um 80 bis 95 Prozent zu reduzieren und so eine annähernd klimaneutrale Zukunft der Bundesrepublik anzustreben. So sollen auf Basis des Jahres 1990 bis zum Etappenziel 2030 unter anderem die Emissionen der Energiewirtschaft um ca. 62 Prozent, die Emissionen der Industrie um rund 50 Prozent und der Treibhausgasausstoß aus Gebäuden rund 67 Prozent gesenkt werden.

Energiewende von unten
Die von der Bundesregierung ausgegebene Marschrichtung sowie die in dem Dokument genannten Maßnahmen sind in weiten Teilen Deckungsgleich mit dem im InnovationCity-Ansatz bereits heute gelebten Vorgehen in der InnovationCity Ruhr | Modellstadt Bottrop sowie im „InnovationCity roll out“. Das dort angewendete Grundkonzept läuft unter dem Titel „Energiewende von unten“. Der Ansatz zielt darauf ab, dass aus Haushalten, die bislang nur Energieverbraucher waren, nun auch Energieerzeuger werden. Energetische Modernisierungsmaßnahmen und der Einsatz innovativer Technologien, wie Kraft-Wärme-Kopplung, Stromspeicher und erneuerbare Energien, steigern die Energieeffizienz einzelner Häuser deutlich. Eine Vernetzung dieser Gebäude mit Hilfe intelligenter Energiemanagementsysteme führt dazu, dass lokal erzeugter Strom und Wärme an umliegende Gebäude abgegeben werden kann. Diese ganzheitliche Betrachtung von Stadtquartieren führt zu einer Steigerung der dezentralen und bestenfalls erneuerbaren Energieerzeugung, einer Erhöhung der Lebensqualität sowie der Senkung von CO2-Emissionen im gesamten Quartier.

Ergebnisse der Modellstadt Bottrop
Dass dieser Ansatz funktioniert, zeigt eine wissenschaftlich erhobene Zwischenbilanz zu der Modellstadt Bottrop: Mit rund 300 initiierten und umgesetzten Einzelmaßnahmen – von der energetischen Gebäudesanierung bis zur energieautarken Kläranlage – wurde der CO2-Ausstoß bis 2020 um rund 38 Prozent (100.000 Tonnen) reduziert. Hinzu kommen zahlreiche Aktivierungs- und Beratungsmaßnahmen für Gebäudeeigentümer und Unternehmen, die zu einer energetischen Modernisierungsrate von über drei Prozent pro Jahr führen und somit deutlich über dem Bundesdurchschnitt von nur knapp einem Prozent liegen. Von diesem Engagement profitiert auch die lokale Wertschöpfung durch heute bereits ausgelöste Direktinvestitionen von über 290 Mio. Euro. Davon entfallen allein 110 Mio. Euro über Aufträge an lokale Handwerker. Positiver Effekt: 1.200 Erwerbstätigenjahre – d. h. ca. 300 Arbeitsplätze – konnten am Wirtschaftsstandort Bottrop geschaffen bzw. gesichert werden.

InnvoationCity als Klimaschutzmotor im Ruhrgebiet
Im Rahmen eines der größten Infrastrukturvorhaben in NRW profitiert nun auch das gesamte Ruhrgebiet von den in Bottrop gesammelten Erkenntnissen: Insgesamt 20 Quartiere aus 17 Revierstädten werden im Zuge des „InnovationCity roll out“ analysiert und erhalten ganzheitliche Quartierskonzepte. Mit diesem – im Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) geförderten –  Projekt hin zu weiteren InnovationCities legt die Innovation City Management GmbH zusammen mit dem Land NRW und den beteiligten Partnern einen bedeutenden Grundstein für einen klimagerechten Stadtumbau in Nordrhein-Westfalen. Im Mai dieses Jahres gab Ministerpräsidentin Hannelore Kraft die ausgewählten Quartiere offiziell bekannt.

Seitdem hat sich einiges getan: In den ersten sechs Kommunen wurden bereits die Weichen für eine Konzepterstellung gestellt: Gladbeck, Hamm, Dorsten, Herne, Recklinghausen und Mülheim an der Ruhr befinden sich aktuell in unterschiedlichen Etappen der auf rund sechs Monate angelegten Konzeptphase. Neben der Grundlagenermittlung stehen das energetische Sanierungskonzept und das Energieversorgungskonzept im Zentrum der fachplanerischen Arbeit. Gleichzeitig werden ein Akteursaktivierungs- und ein Kommunikationskonzept entwickelt, um optimale Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Umsetzung der angestrebten energetischen Modernisierungen zu schaffen. Denn erst diese zahlen letztlich auf das erklärte Ziel ein, die Energieeffizienz in Gebäuden und Quartieren zu steigern, die CO2-Emissionen zu senken und somit das Klima nachhaltig zu schützen.

Das Projekt „InnovationCity roll out“ wird vom Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert.