„100 KWK in Bottrop“: Zukunft der dezentralen Energieerzeugung und -versorgung

• 100 KWK-Systeme im Bottroper Stadtgebiet verbaut • Forschungsprojekt mit Potenzial zum Aufbau eines virtuellen Kraftwerks • Musterbeispiel für die „Energiewende von unten“

Bottrop, 3. Dezember 2014 – Die Innovation City Management GmbH (ICM) und das Gas- und Wärme-Institut Essen e.V. (GWI) haben heute im Zentrum für Information und Beratung (ZIB) der InnovationCity Ruhr die ersten Ergebnisse des Projekts „100 KWK in Bottrop“ vorgestellt. Ziel des Forschungsprojekts ist es, den Betrieb von Heizsystemen mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) mit unterschiedlichen Anlagen in verschiedenen Gebäudetypen zu testen und ihren Betrieb zur Einsparung von fossilen Brennstoffen und damit auch von CO2 zu optimieren. Dabei kommen sowohl gasbetriebene KWK-Anlagen mit Stirling- und Otto-Motor als auch hochmoderne Systeme mit Brennstoffzellen zum Einsatz. Diese sind mit einer Messtechnik ausgestattet, die die Betriebsdaten minutengenau zur wissenschaftlichen Auswertung an das GWI überträgt. Neben dem GWI und der ICM sind auch die Hochschule Ruhr West sowie die Emscher Lippe Energie GmbH (ELE) und der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) an dem Projekt beteiligt.

Wissenschaftliche Ergebnisse & Potenziale
Nachdem im Dezember des vergangenen Jahres 2013 die erste „stromerzeugende Heizung“ durch NRW-Umweltminister Johannes Remmel eingeweiht werden konnte, befinden sich nun die Installationsarbeiten für die letzten Heizungen kurz vor dem Abschluss. Eine erste Auswertung der Anlagen- und Betriebsdaten stellte Frank Burmeister, Abteilungsleiter Brennstoff- und Gerätetechnik beim GWI, vor. Die Messdaten erlauben eine detaillierte Auswertung des Anlagenbetriebs und die Untersuchung des Nutzerverhaltens in Bezug auf die Stromnutzung und -einspeisung. Bei der Brennstoffzelle zeigt sich ein hoher Deckungsgrad des Strombedarfs durch die KWK-Anlage.

Dass das Projekt auch über das genannte Ziel Potenziale für die Zukunft der Energieerzeugung und -versorgung birgt, erläuterte Jannis Heuner, Bereichsleiter Projekte & Energieberatung der ICM. Zum einen kann der Anteil des selbst genutzten Stroms deutlich erhöht werden. Dazu kann der Anlagenbetrieb optimiert oder durch die Ergänzung von Speichern flexibilisiert werden. Zum anderen gibt es die Möglichkeit den Strom lokal an Nachbarn zu verkaufen oder einzelne Anlagen zu einem Verbund zusammenzuschließen. So laufen mit der Hochschule Ruhr West aktuell Planungen, wie die KWK-Anlagen kombiniert und stromorientiert betrieben werden können.

Sinnbild für Ziele der ICR
Burkhard Drescher, Geschäftsführer der ICM, sieht in der KWK-Technologie einen wichtigen Baustein für die „Energiewende von unten“ – das Grundkonzept der InnovationCity Ruhr: „Mit KWK-Systemen kann Energie dezentral erzeugt und zu großen Teilen vom Endverbraucher auch selbst genutzt werden. Mit Wirkungsgraden von über 90 Prozent wird zudem auch eine sehr hohe Energieeffizienz erreicht und demzufolge weniger CO2 emittiert. Damit steht dieses deutschlandweit einmalige Projekt sinnbildlich für die Ziele der InnovationCity Ruhr.“

Margit Thomeczek, Leiterin der Kampagne „KWK.NRW – Strom trifft Wärme“ der EnergieAgentur.NRW betont: „Der Kraft-Wärme-Kopplung kommt eine Schlüsselrolle zu, wenn wir die Klimaschutzziele erreichen wollen. Die EnergieAgentur.NRW begleitet bereits seit Jahren die Entwicklung und Optimierung der KWK-Technologie. Wir begrüßen deshalb sehr, dass in der InnovationCity Ruhr ein solcher Feldversuch in dieser Dimension realisiert wird.“

Auch das Handwerk profitiert
Die aus über 270 Bewerbern ausgewählten privaten und gewerblichen Projektteilnehmer haben sich finanziell an dem Projekt beteiligt und erhielten so eine innovative Heizung, die im Projektzeitraum aber Eigentum des GWI bleibt. Den Einbau übernahmen regionale Handwerksunternehmen, die auch die Wartung in den kommenden Jahren übernehmen. Auf diese Weise entstand nicht nur ein erhebliches handwerkliches Know-How zum Thema KWK in der Region, sondern die Betriebe konnten durch die ausgeschriebenen Aufträge auch wirtschaftlich von dem Projekt profitieren.

Finanziert wird das Vorhaben über das Landesprogramm progres.nrw aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) der Europäischen Union sowie über Sponsorings durch die ELE und den Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW).